Eisenmangel - der häufigste Mikronährstoffmangel
Der häufigste Mikronährstoffmangel weltweit ist eindeutig der Eisenmangel. Nach Schätzungen der WHO sind etwa 25–30 % der Weltbevölkerung betroffen. Besonders häufig sind: Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Kinder und Jugendliche.
Welche Symptome macht ein Eisenmangel?
Ein Eisenmangel kann sich sehr unterschiedlich äußern. Häufig treten Beschwerden bereits auf, bevor eine Blutarmut (Anämie) vorliegt.
Mögliche Symptome sind:
• Müdigkeit und Erschöpfung
• Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
• Konzentrationsstörungen und verminderte geistige Leistungsfähigkeit
• Kopfschmerzen
• Schwindel
• Kurzatmigkeit bei Belastung
• Herzklopfen oder Herzrasen
• Blasse Haut und Schleimhäute
• Haarausfall
• Brüchige Nägel oder Rillenbildung
• Trockene Haut
• Einrisse an den Mundwinkeln (Rhagaden)
• Brennende Zunge oder Zungenbrennen
• Restless-Legs-Syndrom
• Erhöhte Infektanfälligkeit
• Kälteempfindlichkeit
• Eisenmangel kann eine Schilddrüsenunterfunktion begünstigen
• Zyklusstörungen
• Anovulation
• verminderter Fertilität
• Libidoverlust
Weniger bekannte Symptome
• Verminderte Belastbarkeit beim Sport
• Unruhige Beine in der Nacht (Restless Legs)
• Pica-Syndrom (z. B. Verlangen nach Eiswürfeln, Erde oder Kreide – selten)
• Stimmungsschwankungen oder Reizbarkeit
Wichtig
Nicht jeder Eisenmangel verursacht Beschwerden. Umgekehrt sind die genannten Symptome nicht spezifisch für einen Eisenmangel und können auch andere Ursachen haben. Deshalb sollte die Diagnose immer durch eine ärztliche Beurteilung und geeignete Laboruntersuchungen gesichert werden.
Bereits ein Eisenmangel ohne Blutarmut (Anämie) kann bei manchen Menschen zu Beschwerden wie Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit oder Haarausfall führen. Ob die Symptome tatsächlich auf einen Eisenmangel zurückzuführen sind, sollte jedoch immer individuell ärztlich abgeklärt werden.
Diagnostik bei Verdacht auf einen Eisenmangel
Neben einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung bestimmen wir zur Beurteilung des Eisenstoffwechsels je nach Fragestellung unter anderem folgende Werte:
• Großes Blutbild – zur Beurteilung einer Blutarmut (Anämie)
• Ferritin – wichtigster Marker zur Beurteilung der Eisenspeicher
• Transferrinsättigung – zeigt, wie viel Eisen für den Körper aktuell verfügbar ist
• Transferrin – unterstützt die Beurteilung des Eisenstoffwechsels
• C-reaktives Protein (CRP) – da Ferritin als Entzündungsmarker erhöht sein kann, hilft CRP bei der Interpretation der Werte
• Retikulozyten-Hämoglobin (Ret-He (Retikulozyten-Hämoglobin) ) – kann bei ausgewählten Fragestellungen Hinweise auf einen funktionellen Eisenmangel geben
Aktuelle Therapiemöglichkeiten bei Eisenmangel
Die Behandlung eines Eisenmangels richtet sich nach der Ursache, dem Ausmaß des Mangels und Ihren individuellen Beschwerden. Ziel ist es nicht nur, die Eisenspeicher wieder aufzufüllen, sondern auch die Ursache des Eisenmangels zu erkennen und langfristig zu behandeln.
Orale Eisentherapie
In vielen Fällen erfolgt zunächst eine Behandlung mit Eisenpräparaten zum Einnehmen. Welche Dosierung und welches Präparat geeignet sind, richtet sich nach der individuellen Situation. Da Eisenpräparate Magen-Darm-Beschwerden verursachen können, beraten wir Sie auch hinsichtlich einer möglichst gut verträglichen Einnahme.
Eiseninfusionen
Eine intravenöse Eisentherapie kann sinnvoll sein, wenn
• ein ausgeprägter Eisenmangel vorliegt,
• Eisenpräparate nicht vertragen werden,
• Eisen über den Darm nicht ausreichend aufgenommen wird,
• eine rasche Auffüllung der Eisenspeicher erforderlich ist oder
• trotz oraler Therapie kein ausreichender Behandlungserfolg erzielt wird.
Vor jeder Infusion prüfen wir sorgfältig, ob eine intravenöse Eisentherapie medizinisch sinnvoll und erforderlich ist.
Ursachen behandeln
Ein Eisenmangel ist häufig ein Symptom einer zugrunde liegenden Ursache. Deshalb gehört zur Behandlung immer auch die Ursachenforschung. Je nach Situation können beispielsweise starke Menstruationsblutungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Resorptionsstörungen oder andere chronische Erkrankungen abgeklärt und behandelt werden.
Wissenswertes über die Eiseninfusion:
Eine Eiseninfusion kann sinnvoll sein, wenn ein Eisenmangel vorliegt und eine orale Eisentherapie nicht möglich, nicht ausreichend wirksam oder nicht verträglich ist. Häufige Gründe sind:
Unverträglichkeit von oralen Eisenpräparaten (z. B. Übelkeit, Bauchschmerzen oder Verstopfung)
Unzureichende Eisenaufnahme über den Darm (z. B. bei Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach Magenoperationen)
Erhöhter Eisenbedarf, beispielsweise in der Schwangerschaft oder bei Leistungssportlern
Chronischer Blutverlust, z. B. durch starke Menstruationsblutungen oder Magen-Darm-Blutungen
Ausgeprägter Eisenmangel mit deutlichen Beschwerden oder Eisenmangelanämie
Chronische Entzündungen mit eingeschränkter Eisenaufnahme (erhöhte Hepcidin-Konzentration)
Wenn eine rasche Auffüllung der Eisenspeicher medizinisch sinnvoll oder erforderlich ist
Wiederkehrender Eisenmangel trotz ausreichend langer oraler Eisentherapie
Die Entscheidung für eine Eiseninfusion erfolgt immer nach sorgfältiger ärztlicher Abklärung der Ursache des Eisenmangels und anhand Ihrer individuellen Beschwerden und Laborwerte.
Warum werden orale Eisenpräparate so schlecht vertragen?
Orale Eisenpräparate können den Magen-Darm-Trakt reizen, da ein Teil des Eisens im Darm verbleibt und dort die Schleimhaut belastet. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall oder Blähungen. Zudem wird oral eingenommenes Eisen nicht immer ausreichend aufgenommen, insbesondere bei Entzündungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder einer erhöhten Hepcidin-Konzentration. In diesen Fällen kann eine intravenöse Eisentherapie eine wirksame und oft besser verträgliche Alternative sein.
Wie läuft eine Eiseninfusion ab?
Vor jeder Behandlung erfolgt eine ärztliche Beurteilung Ihrer Laborwerte und Beschwerden. Die Eisenlösung wird anschließend über eine Vene langsam infundiert. Während der gesamten Behandlung werden Sie medizinisch betreut und nach der Infusion noch für kurze Zeit beobachtet.
Je nach verwendetem Eisenpräparat und Dosierung dauert die Infusion in der Regel 30 bis 60 Minuten. Planen Sie einschließlich Vorbereitung und kurzer Nachbeobachtung etwa 30 bis 90 Minuten ein.
Wirkung der Eiseninfusion:
Viele Patienten berichten bereits nach ein bis drei Wochen über eine Verbesserung von Müdigkeit, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Bis die Eisenspeicher vollständig aufgefüllt sind und sich die maximale Wirkung entfaltet, können mehrere Wochen vergehen.
Nebenwirkungen hat eine Eiseninfusion:
Eiseninfusionen sind in der Regel gut verträglich. Gelegentlich können vorübergehend Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Muskel- oder Gelenkschmerzen sowie Reaktionen an der Einstichstelle auftreten. Schwere allergische Reaktionen sind bei modernen intravenösen Eisenpräparaten sehr selten. Deshalb erfolgt die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht.
Häufigkeit der Eiseninfusion:
Die Anzahl der Infusionen richtet sich nach dem Ausmaß des Eisenmangels, dem Körpergewicht und dem verwendeten Präparat. Manche Patienten benötigen nur eine Infusion, andere profitieren von mehreren Behandlungen, um die Eisenspeicher vollständig aufzufüllen.
Verlaufskontrolle
Nach Beginn der Behandlung kontrollieren wir den Therapieerfolg durch geeignete Laboruntersuchungen. Eine Kontrolle des Ferritinwertes wird in der Regel frühestens 8 bis 12 Wochen nach der letzten Eiseninfusion empfohlen. Direkt nach der Behandlung ist der Ferritinwert durch das verabreichte Eisen vorübergehend erhöht und erlaubt keine zuverlässige Aussage über die langfristig aufgefüllten Eisenspeicher. So können wir beurteilen, ob die Eisenspeicher ausreichend aufgefüllt wurden und gegebenenfalls die Therapie individuell anpassen.
Unser Ziel
Unser Ziel ist eine individuelle und wissenschaftlich fundierte Behandlung des Eisenmangels. Durch die Kombination aus sorgfältiger Diagnostik, Ursachenforschung und einer auf Sie abgestimmten Therapie möchten wir Ihre Eisenspeicher nachhaltig normalisieren und Ihre Beschwerden langfristig verbessern.
Welcher Ferritinwert ist gut
Der optimale Ferritinwert ist individuell und hängt von Alter, Geschlecht, Beschwerden und Begleiterkrankungen ab. In der Präventionsmedizin wird häufig ein Ferritinbereich von 70–100 µg/l angestrebt, da dieser mit einer guten Eisenversorgung assoziiert wird (British Columbia Ministry of Health, 2023) Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch nicht einheitlich, weshalb wir den Zielwert stets individuell anhand Ihrer Symptome und Laborbefunde festlegen.
British Columbia Ministry of Health. Iron Deficiency – Diagnosis and Management. BC Guidelines. Updated 2023. Verfügbar unter: https://www2.gov.bc.ca/gov/content/health/practitioner-professional-resources/bc-guidelines/iron-deficiency
